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St. Galler Tagblatt vom 9. November 2009:

«Auktion trotzt Wirtschaftsflaute»


Für Amiet und Dietrich wurde im Auktionshaus Hans Widmer am meisten geboten; eine Auktion, die zeigte, dass der Kunstmarkt krisenresistent ist.


340 000 Franken für Cuno Amiets Jüngling, 150 000 für Adolf Dietrichs Sperber im Winter – diese beiden Gemälde erzielten bei der jüngsten Auktion die Spitzenpreise. Hans Widmer spricht denn auch von einem «sehr erfolgreichen» Verlauf. Besonders weist er darauf hin, dass auch weniger bekannte Maler Beachtung fanden. Iwan Edwin Hugentoblers ausdrucksstarke Pferde übertrafen mit 28 000 Franken den Schätzpreis um mehr als das Doppelte; Franz von Defreggers Mädchenbild um ein Dreifaches – hier mag der Anklang an Bilder Albert Ankers den Preis beflügelt haben.

Wählerische Käufer


Die Beispiele zeigen, dass es nicht einfach die grossen Namen sind, die bei Widmers Auktionen zum Zug kommen, sondern dass der Kunsthandel zielbewusst auszuwählen weiss. So überflügelte Carl August Liner für einmal die Preise, die für die Werke seines Sohnes geboten wurden.


Zu den sicheren Werten der Auktionen gehören Gottardo Segantini (90 000), Augusto Giacometti (11 000), Albert Manser (16 000), Sibylle Nef (12 000), auch wenn sie zuweilen nur mit einzelnen Werken vertreten sind.


Lokal, international


Beliebt ist nach wie vor Hans Zeller, dessen Appenzeller Sennenbub 34 000 Franken erzielte. Mit einer grossen Werkgruppe war auch Ferdinand Gehr präsent. 36 000 für «Dahlien und Sonnenblumen», 40 000 für «Volk Gottes» zeigen, dass sowohl seine naturnahen als auch seine religiösen Werke gefragt sind. Dennoch fällt auf, dass seine kühnsten Bildaussagen (noch) keinen Käufer finden. Möglich, dass der auf die Auktion folgende Nachverkauf diesen Eindruck revidiert.


Hans Widmer zeigt anhand der Auktionsergebnisse, dass bedeutsame Kunst nicht unbedingt teuer sein muss. Glinz, Herzig, Roesch, Weiskönig konnten teilweise zu Preisen unter tausend Franken ersteigert werden. Als Ostschweizer sind sie landesweit zwar wenig bekannt. Ihr regional gebundenes Werk hat dennoch seinen besonderen Reiz. Ohne den Auktionsplatz St. Gallen hätten diese Künstler auf dem Markt aber wohl kaum eine Chance.

Widmers Auktionen haben aber auch eine internationale Ausstrahlung, namentlich bei den Spitzenwerken. So wurde für Amiets Jüngling aus den USA mitgeboten, den Zuschlag erhielt jedoch ein privater Schweizer Interessent. Bei Defreggers Bildern ist es umgekehrt; sie gehen nach Deutschland, in die Heimat des Malers


Copyright © St.Galler Tagblatt, 9. November 2009, Josef Osterwalder
Eine Publikation der Tagblatt Medien.


St. Galler Tagblatt vom 22. Oktober 2009:

«Auktion schöpft aus dem Reich der Farben»

Mit reichen Werkgruppen (Dietrich, Gehr, Zeller, Liner) und ungewöhnlichen Trouvaillen (Amiet, Le Corbusier, Gris, Bidlo) bringt Hans Widmer am 30. Oktober ein Füllhorn an Farbe zur Auktion.

Der Hauptakzent der Auktion liegt bei Bildern aus dem 20. Jahrhundert. Gemeinsam ist dieser von Impressionismus und Expressionismus beeinflussten Malerei die Lust an und die Sicherheit mit der Farbe. Sonst aber fällt auf, wie sehr gerade auch die Ostschweizer Maler ihren eigenen Weg gefunden haben; unbeschadet, ob ihre Werke den wetterwendischen Publikumsgeschmack trafen oder nicht. Von einigen sind auf die Auktion hin ganze Werkgruppen zusammengekommen.

Bei Ferdinand Gehr ergänzen sich ausdrucksstarke Blumenbilder und ikonenhaft wirkende religiöse Kunst. In der Ausstellung, die der Auktion vorausgeht, hängen sie zum Teil nebeneinander. Die Gegenüberstellung zeigt, wie Gehrs Blumenbilder aus einer spirituellen Erfahrung schöpfen; umgekehrt zitieren seine vergeistigten religiösen Werke den Farbenreichtum der Natur.

Zugänge zur Natur

Einen andern Zugang zur Schöpfung suchte Adolf Dietrich, der Maler vom Untersee. Blickfang sind sein «Sperber im Winter» und das grosse Panorama seines Wohnortes Berlingen; das Dorf, dessen Bewohner nie so recht wussten, was sie von ihrem etwas kauzigen, aber berühmten Zeitgenossen halten sollten.

Gegenständlich wie Dietrich und doch wieder ganz anders sind die Bilder Hans Zellers, der die Landschaft des Appenzellerlandes genau so beobachtet hat wie die Gesichter seiner Bewohner. Manche Bilder lassen spüren, dass sich hinter der gegenständlichen Oberfläche noch eine andere, höchstens erahnbare Wirklichkeit verbirgt.

Auch von Vater und Sohn Liner ist wieder je eine Bildergruppe vertreten. Hier besticht der Generationenwechsel in der Wahrnehmung des Appenzellerlandes. Eindrücklich auch die Erfahrungen, die Carl Walter Liner von seinen vielen Reisen mitgebracht und in seine Bilderwelt integriert hat.

Grosse Spannweite

Am spannendsten dürfte die Auktion des Bildes «Der Jüngling» von Cuno Amiet werden. Dieses hat einen Bezug zum «Jungbrunnen», den er fürs Zürcher Kunsthaus gemalt hatte; ebenso zum Werk «Das Entzücken», das 1931 mit vielen weiteren Werken Amiets im Glaspalast München ein Opfer der Flammen wurde. Durch verschiedene Ausstellungen in Hans Widmers und Markus Schöbs Zürcher Galerie hat sich das Auktionshaus als Amiet-Adresse einen Namen gemacht.

Wichtig ist dem Auktionator, dass es bei seinen «Ausgewählten Werken» zwar um speziell ausgewählte Bilder geht, der finanzielle Rahmen aber sehr weit gespannt ist. Während Amiets Jüngling für 200 000 Franken ausgerufen wird, startet die Auktion bei Ölbildern von Glinz und Rösch bei 1000 Franken; bei Werken von Hug, Burger, Iwan Hugentobler und Carlos Schneider gar deutlich darunter.

Auktionshaus Widmer, St. Gallen. Vorbesichtigung ab morgen Freitag bis nächsten Mittwoch (ausser Montag); Auktion: 30. Oktober, ab 14 Uhr (www.galeriewidmer.com)

Copyright © St.Galler Tagblatt, 22. Oktober 2009, Josef Osterwalder
Eine Publikation der Tagblatt Medien.


Presse-Archiv

 

Ein Highlight der Auktion:

Cuno Amiet

Nr. 44

Cuno Amiet (1868-1961)

Jüngling (Grosses Gartenbild), 1916

Öl auf Leinwand
Bildmass: 209 x 94 cm

Schätzpreis: CHF 300'000.– / 200'000.–

Zuschlagpreis: CHF 340'000.-