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Presse-Archiv


Amiet, Gehr, Liner, Tinguely... (St. Galler Tagblatt, 10.11.2006)
«Ausgewählte Werke» – Neue Auktion in der Galerie Widmer

Zufall und Sammler-Eifer hat sie zusammengeführt, die Kunstwerke, die am 17. November 2006 versteigert wurden. Sie geben einen aufschlussreichen Überblick über die Kunst des 20. Jahrhunderts.

Expressionistische Farbexplosionen hier, ikonenhafte Beschaulichkeit dort – die Ausstellung der Auktionsbilder zeigt, wie verschieden die Vorlieben der Kunstsammler sind, beziehungsweise waren.

In die Auktionen gelangen Bilder ja meistens dann, wenn bei Leuten der Umzug in eine kleinere Wohnung ansteht, oder wenn Bilder aus einem Nachlass bei den Erben kein Interesse finden.

Bei der aktuellen Auktion wird z.B. eine ganze Werkgruppe angeboten, die ein Zürcher Privatsammler in der Zeit des Nachkriegsbooms angelegt hatte; darunter Le Corbusiers grossformatige «Espace» (geschätzt auf 90'000.–, ausgerufen für 70'000.– Franken) und Tinguelys Maschinen-Plastik «Ping oder Pong» (70'000.– / 50'000.–).

Im Farbrausch
Hat in diesem Falle ein Sammler die Bilder bewusst aufeinander bezogen, kommen im Auktionshaus zuweilen einzelne Gruppen wie durch Zufall zustande.

Diesmal fallen vor allem die zahlreichen expressionistischen Werke auf, die zeigen, wie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch Schweizer Maler im Farbrausch schwelgten. Beispielhaft die «Orchideen» Augusto Giacomettis (70'000.– / 50'000.–), die einen Höhepunkt der Auktion bilden. Bedeutsam ist das Auktionshaus Widmer auch insofern, als hier die Kunst von Ostschweizern einen Markt findet. So sind auch diesmal von Carl Walter Liner, August Liner, Adolf Dietrich, Hans Zeller und Ferdinand Gehr ganze Reihen zusammengekommen. Unter Zellers Bildern findet sich der «Fählensenn» (38'000.– / 28'000.–), von Gehr die grossformatige Tempera «Dahlien» (24'000.– / 16'000.–).

Miniaturen und Geschichten
Daneben auch die zauberhaften Miniaturen Hesses (je 2500/ 1500): ein Zyklus maschinengeschriebener Gedichte, zu denen der Dichter selbst kleine Aquarelle malte.

Oft sind die Bilder mit bewegenden Geschichten verbunden. Albert Müller hatte das Bild seiner beiden kleinen Zwillinge kurz vor seinem Tod gemalt. Wenig später starb auch die Mutter, so sind die beiden Kinder zu Vollwaisen geworden.

Anders die Geschichte, die Hans Krüsis «Blumenverkäufer» (2'400.– / 1'000.–) erzählt. Er setzte die Jahreszahlen 1948/78 und eine 50-Franken-Note ins Bild: Erinnerung an 30 Jahre «Blumenverkauf in Zürich, an bester Lage an der Bahnhofstrasse».

St. Galler Bezug
Besondere Beziehung zu St. Gallen hat Otto Müllers Relief (6'500.– / 4'000.–) und die Werkgruppe Coghufs, darunter die Landschaft in Südfrankreich
(12'000 .– / 8'000.–). Beide waren 1963 bei der Ausgestaltung der HSG dabei.

Copyright © St.Galler Tagblatt, Eine Publikation der Tagblatt Medien
Freitag, 10. November 2006, Josef Osterwalder

 

Giacometti Giovanni
Giacometti Giovanni (1868-1933), Nr. 19
Badende in einer Schlucht
Aus unserer Auktion vom 5.5.2006
Zuschlagpreis: CHF 200'000.–