Christo (Garowo, Bulgarien, 1935 - lebt und arbeitet in New York)

Der 1935 in Gabrowo, Bulgarien, geborene Christo Wladimirow Jawaschew entdeckte bereits in seinen Jugendjahren in der Chemiefabrik seines Vaters seine Leidenschaft für Stoffballen und -bahnen. Schon als Kind erhielt Christo Zeichenunterricht und besuchte später die Akademie der Künste in Sofia. Er liebte Theater und inszenierte als Jugendlicher mit grossem organisatorischem Talent Stücke des englischen Dichters William Shakespeare. 

In der zweiten Hälfte der 50er Jahre reiste der junge Christo über Prag illegal nach Wien, wo er ein Semester an der Akademie der bildenden Künste absolvierte. Sein Weg führte ihn dann über Genf weiter nach Paris. Den Lebensunterhalt bestritt er wie bereits zuvor mit der Erstellung von Portraits. Bei eben dieser Tätigkeit lernte der Künstler Jeanne-Claude, Tochter des Generals De Guillebons und seine grosse Liebe, Lebens- und Schaffenspartnerin kennen. Die beiden heirateten im November 1962.

Jeanne-Claude wurde 1935 in Marokko geboren und wuchs bis zu Ihrem zehnten Lebensjahr bei Ihrem Vater auf, bevor sie dann zu Ihrer Mutter kam. In zweiter Ehe mit dem General De Guillebon verheiratet, lebte die Familie mehrheitlich in Paris und zwischenzeitlich auch in Tunesien. 

In seiner Pariser Zeit begann Christo erstmals mit Verhüllungen. Es waren zu Beginn einfache Alltagsgegenstände wie Flaschen oder Stühle und Tische, die er mit harzgetränkter Leinwand verhüllte. Es sollten noch einige Jahre vergehen, bis er zusammen mit seiner Partnerin Jeanne-Claude dann grössere Objekte zu verpacken begann. 

1962 realisierten Christio und Jeanne-Claude das erste gemeinsame Projekt, den "Eisernen Vorhang": Als zornige Antwort auf den Bau der Berliner Mauer blockierten die beiden im Sommer 1962 ohne behördliche Bewilligung mit über 200 leeren Ölfässern die Rue de Visconti in Paris. 

Nach dem Umzug 1964 von Europa nach New York vollendete das Paar als erstes grosses Projekt in Amerika im Jahr 1966 ein 1200 Kubikmeter grosses Luftpaket. In der Folge wurden die Projekte stets grösser und spektakulärer: Auf des "5600 cubicmeter package" für die Documenta IV in Kassel im Jahr 1967/68 folgte 1969 die Verhüllung eines ganzen Küstenstreifens in Australien. Das Paar plante und realisierte bis zum Tod von Jeanne-Claude 2009 alle Projekte gemeinsam, wobei sich Christo eher der gestalterischen Arbeit und Jeanne-Claude eher der Organisation widmete. Alle Entscheidungen im Zusammenhang mit einem Projekt trafen die beiden aber stets gemeinsam. 

Bei ihren temporären Verhüllungsaktionen, welchen oft jahrzehntelange Planungsphasen vorangingen, kommen uns verpackte historische Gebäude und Brücken, überdimensionale gelbe Sonnenschirme in Kalifornien und Japan, schwimmende Stege auf Seen und mit Seide umflossene Inseln die aus der Luft wie Blumen anmuten in den Sinn. Das Paar erklärte in einem Interview in den 90er Jahren Ihre Aktionen als "Feier des Raumes und der Menschen im Raum" und erläuterte, dass weder der Einfall eines Projektes, noch das Endresultat ihrer Werke die eigentliche Kunst seien, sondern die Durchführung und der Prozess welcher einer Verhüllung vorangehen. Bei ihrer Kunst geht es also um die Vergänglichkeit und der Weg ist das Ziel. In einer Welt die bestimmt ist von "Events" erheben Christo und Jeanne-Claude die Planung und Organisation selbst zur Kunst und sehen das Endresultat als kurzes und vergängliches Erlebnis, eine flüchtige Erinnerung an die man gern und mit einem Lächeln zurück denkt.