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Gute Augen für die Kunst – St. Galler Tagblatt, 10. Januar 2015

37 Jahre lang hat Galerist Hans Widmer Gemälde und Kunst aller Epochen vermittelt. Die Galerie, die er gemeinsam mit seiner Frau Sylvia führte, hat er nun an Markus Schöb übergeben, der ihm schon als Kantischüler zur Hand ging.

KATHRIN REIMANN

Gäbe sich Hans Widmer mit wenig zufrieden, fehlte der Ostschweiz möglicherweise eine Galerie regionalen Ursprungs. Widmer eröffnete 1977 nämlich ein Buch- und Kunstantiquariat an der Löwengasse, was ihn aber nach drei Jahren bereits langweilte. «1980 kam ich auf die abenteuerliche Idee, eine Auktion im Hotel Hecht durchzuführen», sagt er.

Kurzerhand stellte Widmer eine Tafel in sein Schaufenster und siehe da: Die Leute kamen in Scharen, und von dort an jedes Jahr. «Ich hatte nichts erwartet und dann lief alles vorzüglich.» So gut sogar, dass der Galerie Widmer schon bald wertvolle Schweizer Werke, später auch solche von internationalem Interesse und der klassischen Moderne anvertraut wurden. «Anfang der 1990er-Jahre hatten wir dermassen Erfolg, da haben wir einen Amiet oder einen Giacometti für 100 000 Franken versteigert. Das war eine Riesenfreude», erinnert sich Markus Schöb, der damals als Kantischüler in der Galerie aushalf. Was zu Beginn kaum denkbar war: «In den 1980er-Jahren galt die Meinung: Die grossen Künstler, etwa einen Picasso, bringt man nicht zum Widmer, sondern zu den grossen Auktionshäusern», sagt Widmer. Was sich aber dank seines guten Rufs schnell geändert habe.

Einen ähnlichen Geschmack

Doch nicht nur die grossen Künstler sind für die beiden Galeristen von Bedeutung, durch ihre Arbeit sind sie auch zu Experten der Ostschweizer Kunst geworden. «Es ist für uns spannend, immer wieder Entdeckungen in diesem Bereich zu machen, auf Trouvaillen zu stossen und Bilder zu vermitteln, die uns besonders am Herzen liegen und gefallen.» In Sachen Kunst haben der 42jährige Markus Schöb und der 66jährige Hans Widmer einen ähnlichen Geschmack, allerdings ist Schöb von zeitgenössischer Kunst mehr angetan als Widmer.

Ihre Zusammenarbeit ging auch während Schöbs Studium der Kunstgeschichte weiter. Nach Abschluss arbeitete er als Leiter Schweizer Kunst beim Auktionshaus Christie's in Zürich, während Hans Widmer einen «Stress» hatte und sich sein Geschäft vom Antiquariatshandel immer mehr auf Auktionen verschob. 2004 beschlossen die beiden deshalb die Gründung der neuen Firma Galerie Widmer, Auktionen AG, mit Sitzen in St. Gallen und Zürich. «Das war die ideale Ergänzung für unsere internationale, nicht abgehobene Galerie mit regionaler Verbundenheit.»

Nach zehnjähriger erfolgreicher Zusammenarbeit führte Hans Widmer im letzten November dann seine letzte Auktion durch, ehe er die Leitung seinem Geschäftspartner übergab. Mit diesem Leitungswechsel wurde gleichzeitig der Standort der Galerie von der Löwengasse an die Unterstrasse verlegt.

Hartnäckigkeit und Wille

Markus Schöb, der sich zwar seit seiner Kindheit leidenschaftlich für Kunst interessierte, hätte sich nie vorstellen können, dass er dereinst tatsächlich eine Galerie leiten würde. Für Hans Widmer ist aber klar: «Mit seiner Ausbildung und seiner grossen praktischen Erfahrung bringt er alles mit, was wichtig ist.» Dazu gehören auch Hartnäckigkeit und der Wille zu entdecken und zu erforschen. «Die grössten Feinde eines Galeristen sind Fälschungen, Fehlinvestitionen oder zwischenmenschliche Fehler», erklärt Schöb. Auch die Recherchen, die man über ein Bild anstelle, müssten gründlich und fundiert sein, und über eine gewisse Kritikfähigkeit müsse ein Galerist ebenfalls verfügen. Ein schlimmes Erlebnis hat es in der Galerie Widmer noch nicht gegeben. «Im Zweifelsfall lehnen wir Kunst ab und schlafen dafür besser», sind sie sich einig. So würden sie auf russische Kunst meist verzichten. Doch nicht nur das gute Auge für Kunst ist entscheidend: «Man muss auch einen Sinn fürs Geschäftliche haben», sagt Widmer.

Amiet als Flaggschiff

Investieren in Werte? Eine Gelegenheit bietet dazu die nächste Auktion bei Hans Widmer. Gut 150 Bilder werden angeboten. Darunter eine ganze Liner-Sammlung. Die Ausstellung der Auktionsbilder führt durch eine facettenreiche Welt: in die Berglandschaft des Engadins, in paradiesische Gärten, an romantische Seen – aber auch zum Grau eines Vorstadtquartiers oder in die Verlassenheit an einem Grab. Eine Auktion braucht Leuchttürme. An diesen fehlt es auch diesmal nicht: So wird Cuno Amiets «Sommergarten» mit 150 000 Franken ausgerufen, Varlins «Variétés Nationales» mit 70 000, Augusto Giacomettis «Rosen» mit 60 000 Franken. 
St. Galler Tagblatt, 25. April 2012

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